Speisen auf kretische Art

Ein gutes Essen bedeutet auf dieser Insel vor allem fröhliche Geselligkeit in großer Tafelrunde, denn Kreter gehen fast nie allein oder nur mit ihren Ehepartnern zum Essen aus. Das Essen ist eine soziale und gesellige Angelegenheit; es schmeckt am besten in einer großen Tischgemeinschaft.

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In einer solchen geselligen Runde bestellt keiner für sich allein. Man lässt zunächst eine Vielzahl verschiedener Salate und leckerer Vorspeisen auffahren, von denen jeder nimmt, was und wie viel er mag. Gemeinsam verspeist man Fisch oder gegrilltes Fleisch in großen Mengen. Es wird auf Platten serviert. Auf einen Nachtisch verzichtet man meist, da ohnehin immer sehr viel übrig bleibt. Völlig leer gegessene Teller und Platten würden nämlich zeigen, dass man knausrig war.

Als Urlauber, allein oder in trauter Zweisamkeit, können Sie natürlich auch auf gewohnte Art Ihre Speisen bestellen - mehr Spaß aber macht auf jeden Fall die kretische Art, möglichst viele verschiedene Gerichte zu ordern. Wenn der Kellner leer gegessene Teller zwischendurch nicht abräumt, ist das Höflichkeit: Die anderen Gäste sollen sehen, dass man sich ein üppiges Essen leisten konnte.

Vor allem in den Urlaubsorten hat man sich auf den Geschmack der Urlauber eingestellt, dekoriert seine Taverne folkloristisch und bringt das Essen heiß auf den Tisch. Jeder findet also, was er sucht: das einfache, billige Grillstübchen für Gyros und Suvláki ebenso wie den Italiener mit gehobener mediterraner Küche, die simple Familientaverne mit traditioneller Hausmannskost oder das kretische Feinschmeckerlokal.

Zum Essen trinken die Kreter Wasser und Bier oder Wein. Die Auswahl an kretischen Weinen ist groß, die Qualität hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Es wird neben offenen, auch preisgünstigen Weinen, eine Anzahl von Qualitätsweinen aus kleinen und großen Kellereien angeboten.

Die meisten Tavernen und Restaurants sind den ganzen Tag über von etwa 9 Uhr morgens bis weit nach Mitternacht durchgehend geöffnet. Kreter nehmen das Mittagessen selten vor 13 Uhr ein, abends trifft man sich oft erst gegen 22 Uhr oder noch später. Will man sich kretischen Gewohnheiten anpassen, verlangt man vom Kellner auf keinen Fall getrennte Rechnungen: In kretischen Tischgemeinschaften zahlt immer einer für alle. Wer sich diesem Brauch nicht anschließen will, erklärt das dem Kellner besser schon bei der Bestellung.

Kretische Kaffeehäuser sind der Treffpunkt der Männerwelt. Jedes Dorf hat mindestens ein Kafenío, Verzehrzwang gibt es meist nicht. Die Männer sitzen beieinander, um über Gott und die Welt, vor allem aber über griechische Politik zu reden, um Távli (ein Brettspiel für 2 Spieler, verwandt mit Backgammon), Dame oder Karten zu spielen.

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Was verbirgt sich hinter folgenden, angepriesenen Speisen? ... eine kleine Speisekarte

Briám: » Ratatouille mit viel Auberginen und Olivenöl
Choriátiki: » Griechischer Bauernsalat mit Ziegenkäse und Oliven
Chtapódi: » Oktopus, gegrillt, geschmort oder kalt als Salat
Dolmádes: » mit Reis und Hackfleisch gefüllte Weinblätter, zumeist heiß in einer Ei-Zitronen-Soße serviert
Fakí: » Linsensuppe
Fasoláda: » Bohnensuppe
Fáva: » Püree aus gelben Erbsen, das der Gast selbst am Tisch mit Zwiebeln und Olivenöl anmacht
Gópes: » gebratene Sardinen
Jemistés: »mit Reis und Hack gefüllte Paprika und Tomaten
Juvétsi: » im Tontopf überbackene Nudeln mit Rind- oder Lammfleisch
Kakaviá: » Fischsuppe, für die sich der Gast den Fisch selbst aussucht
Kalitsúnia: » mit Spinat oder Mangold und Frischkäse gefüllte Teigtaschen
Ksifía: » gebratenes Schwertfischfilet
Kúklus: » gekochte Schnecken. Dazu trinkt man Rakí
Marídes: » knusprig ausgebackene Sardellen, die man mit Gräten, Kopf und Schwanz verzehrt
Mussaká: » Auflauf aus Hackfleisch, Auberginen, Kartoffeln und Béchamel-Sauce
Paidákia: » meist über Holzkohle gegrillte Lammkoteletts
Pantsária: » Rote Beete, entweder kalt als Salat oder warm mitsamt den Pflanzenblättern als Gemüse serviert
Pastítsjo: » Auflauf aus Makkaroni, Hackfleisch und Béchamel-Sauce
Patsá: » Kuttelsuppe
Revithókeftédes: » Art Reibekuchen oder Kroketten aus Kichererbsenmehl
Sfakianiés Píttes: » eine Art Crêpe, gefüllt mit Honig und Frischkäse
Stifádo: » meist Rindfleisch-, manchmal Kaninchengulasch in Tomaten-Zimt-Soße mit Zwiebelgemüse
Supjés: » eine Tintenfischart